Kulturpolitik unter Druck: Finanzsenator übernimmt Berlins Kultursenat
Kulturpolitik unter Druck: Finanzsenator übernimmt das Ruder
Sparzwang statt Subkultur?
Die Berliner Clubszene blickt besorgt auf die Neubesetzung des Kulturressorts. Nach dem Rücktritt von Sarah Wedl-Wilson übernimmt Finanzsenator Stefan Evers die Leitung – und mit ihm droht eine neue, harte Sparlogik.
💼 Der Wechsel an der Spitze
Ende April 2026 bebte auf der landespolitischen Bühne in Berlin der Boden. Die bisherige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson trat am 24. April infolge einer Fördermittelaffäre um rechtswidrige Projektmittelvergaben zurück. Bereits am 29. April wurde offiziell bestätigt: Der amtierende Finanzsenator Stefan Evers (CDU) übernimmt für die kommenden Monate zusätzlich das Ressort für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Dass ausgerechnet der Herr der Haushaltszahlen nun auch die Kulturpolitik der Hauptstadt lenkt, sorgt branchenübergreifend für Unruhe. Evers verhandelt aktuell den Hauptstadtfinanzierungsvertrag, bei dem es zentral um harte Budgets geht – und genau da befürchtet die Kultur- und Clubszene massive Kürzungen.
🏚️ Die Clubkultur im Würgegriff
Für Veranstalter, Kollektive und Club-Betreiber kommt diese Personalie zur absoluten Unzeit. Die elektronische Musikszene kämpft ohnehin an mehreren Fronten gleichzeitig. Der anhaltende Immobilien- und Bebauungsdruck zwingt immer wieder Freiräume in die Knie. So musste beispielsweise der gemeinnützige Kulturverein diskoBabel (Heimat des Jonny Knüppel) aufgrund privater Bebauungspläne erst kürzlich die Aufgabe seines Standorts bekanntgeben.
Die Kritik aus den Kulturverbänden ist unüberhörbar: Es entsteht das fatale Signal, dass Kulturpolitik keine spezifische Fach-Expertise erfordere und im Notfall einfach dem Finanzressort untergeordnet werden könne. Die Angst vor einer reinen „Sparlogik“, die Subkultur und Club-Förderung als verzichtbaren Posten ansieht, ist greifbar.
Was bedeutet das für die Szene?
Berlin rühmt sich weltweit für seine einzigartige elektronische Musikkultur, doch die politischen Weichenstellungen deuten zunehmend in eine andere Richtung. Ob der Kultursenat in Zukunft die nötige Sensibilität für den Schutz der Club-Landschaft aufbringt oder ob bei zukünftigen Projekten der Rotstift regiert, werden die nächsten Fördermittel-Entscheidungen zeigen. Wir behalten die Entwicklung für euch im Auge.