Techno-Takeover unter Tage – DJ-Sets in Berlins U-Bahnstationen
TECHNO-TAKEOVER UNTER TAGE:
DJ-SETS IN BERLINS U-BAHNSTATIONEN
Die BVG will Techno und elektronische Musik auf den Bahnsteig bringen – allerdings nicht aus reiner Liebe zur Clubkultur, sondern als Teil eines größeren Plans, das Kottbusser Tor in einen „Innovationsbahnhof“ zu verwandeln.
Berlin und Techno gehören zusammen wie Kick und Bassline. Jetzt soll der Sound an einen ungewöhnlichen Ort: aufs Gleisniveau. Laut Tagesspiegel plant die BVG, am Bahnsteig der U8 am Kottbusser Tor DJs aus der lokalen Techno- und Elektroszene auflegen zu lassen, an der U1/U3 sind Jazz-Künstler:innen vorgesehen. Das Motto: „von Berlin, für Berlin“ – Acts mit Bezug zur Stadt und zum Kiez.
DER PLAN IM TRANSIT
- U8-Bahnsteig: DJs aus der Elektro- und Technoszene mit lokalem Bezug.
- U1 / U3: Jazz-Musik für eine entspanntere Atmosphäre.
- Drumherum: Kunstausstellungen und Lichtinstallationen sollen die Station aufwerten.
REALITÄTSCHECK: WORUM ES WIRKLICH GEHT
So charmant das klingt – man sollte ehrlich sein, was das ist. Das Kottbusser Tor gilt offiziell als kriminalitätsbelasteter Ort, geprägt von Drogenszene, Gewalt und Obdachlosigkeit. Die Musik ist nur ein Baustein eines Sicherheits- und Aufwertungskonzepts, zu dem auch ein modulares Sicherheitszentrum, hellere Beleuchtung, KI-gestützte Videotechnik, Spiegel gegen dunkle Ecken und ein WhatsApp-Meldekanal gehören. Die DJs sollen vor allem die Stimmung und das Sicherheitsgefühl heben.
Und genau das ist umstritten: Kritiker:innen werfen der BVG vor, Clubkultur als Mittel zu benutzen, um unerwünschte – vor allem obdachlose – Menschen zu verdrängen, statt die Ursachen anzugehen. Der Vergleich, der dabei fällt: Die Deutsche Bahn wollte am Bahnhof Hermannstraße einst mit atonaler Musik Schlafende vertreiben und kassierte den Plan nach Protesten wieder ein. Dazu kommt das Praktische: U-Bahnhöfe sind akustisch eine Herausforderung (Beton, Hall, Züge), weshalb es eher um dezente Beschallung geht als um einen Rave am Gleis.
Dass Techno inzwischen als etwas gilt, das eine ganze Stadt prägt, freut uns. Aber Clubkultur sollte Menschen zusammenbringen – nicht zum Werkzeug werden, um andere vom Bahnsteig zu vertreiben.
FAZIT
Stand 2026 läuft der Innovationsbahnhof bereits: mehr Licht, KI-Videotechnik, Führungen für verschiedene Gruppen – und das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste ist laut BVG-Umfragen spürbar gestiegen. Wann genau, und ob überhaupt, DJs am Bahnsteig auflegen, ist aber weiter offen. Ein spannendes Signal, dass Clubkultur zur Stadt gehört – mit einem Beigeschmack, den man nicht ignorieren sollte. Wir behalten die Tunnel für euch im Auge, im Guten wie im Kritischen.