SoundCloud verkauft jetzt direkt — und behält null Prozent
SoundCloud verkauft jetzt direkt – und behält null Prozent
Ausgewählte Artists können Tracks im eigenen Profil verkaufen. Die Plattform nimmt dafür keine Provision. Noch läuft es als Test mit rund 200 Accounts in den USA, der breitere Start ist für den Herbst angekündigt. Ob die Null bleibt, hat SoundCloud offengelassen.
Das Wichtigste vorweg
Seit dem 27. August testet SoundCloud eine Funktion, mit der Artists ausgewählte Tracks direkt auf ihrer Profilseite zum Kauf anbieten. Fans laden anschließend als MP3 oder WAV herunter, ohne die Seite zu verlassen. Den Preis legen die Artists selbst fest. Von der Plattform wird keine Provision einbehalten – es bleiben die üblichen Zahlungsgebühren und die fälligen Steuern.
Warum das für die Plattform Sinn ergibt
Die Zahlen, die SoundCloud selbst nennt, erklären den Schritt ziemlich gut. Über 250.000 Artists verlinken mittlerweile mehr als 2,4 Millionen Tracks zu externen Verkaufsseiten. Jedes Jahr schickt die Plattform damit über eine halbe Million eigener Nutzerinnen und Nutzer woanders hin, nur damit die dort auf „Kaufen“ klicken. In einer eigenen Befragung gaben 28 Prozent der Artists an, bereits Downloads zu verkaufen oder es zu wollen.
Mit anderen Worten: Der Umsatz lief seit Jahren an der Plattform vorbei. Den Umweg will man jetzt schließen. SoundCloud-Chef Eliah Seton begründet das damit, dass Artists ihr Publikum an einem Ort aufbauen können sollen, statt für jeden Teil ihrer Laufbahn eine andere Plattform zu brauchen.
Was das im Vergleich bedeutet
SoundCloud
Keine Provision – abzüglich Zahlungsabwicklung und Steuern. Vorerst, denn ob das nach dem offiziellen Start für alle so bleibt, hat das Unternehmen nicht erklärt.
Bandcamp
Der naheliegendste Vergleich, seit Jahren die Adresse für Direktverkauf in der Szene. Die Plattform behält nach Branchenangaben zwischen zehn und fünfzehn Prozent ein.
Beatport
Beim Klassiker für Club-Tracks landet nach Branchenangaben teils nur die Hälfte bis zwei Drittel des Verkaufspreises bei den Produzierenden.
Der Haken
Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens läuft es bislang nur als Beta mit rund 200 zahlenden Artist-Pro-Accounts in den USA. Wer außerhalb sitzt, muss warten – angekündigt ist der breitere Rollout für den Herbst. Zweitens ist die Null-Prozent-Regel für die Testphase gesetzt, nicht für die Ewigkeit; auf Nachfrage blieb offen, wie es nach dem Start weitergeht. Und drittens bleibt eine Plattform eine Plattform: Wer seinen Katalog dort aufbaut, gibt einen Teil der Kontrolle ab.
Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts. Bereits im Juli hatte SoundCloud die unabhängig ausgerichtete Plattform Nina Protocol übernommen, kurz nachdem diese ihren Betrieb eingestellt hatte. Die Richtung ist also erkennbar: weg von der reinen Streaming- und Entdeckungsseite, hin zu einem Werkzeugkasten für unabhängige Artists.
Was das bedeutet
Für alle, die produzieren und selbst veröffentlichen, ist das erstmal eine gute Nachricht. Null Prozent sind null Prozent, und wer schon eine Hörerschaft auf SoundCloud hat, muss sie nicht mehr auf eine zweite Seite lotsen. Gerade im Club-Bereich, wo viele Tracks ohnehin dort zuerst landen, spart das einen echten Reibungsverlust.
Trotzdem: Null Prozent sind ein Angebot, kein Versprechen. Plattformen haben in den letzten fünfzehn Jahren oft großzügig angefangen und später nachjustiert. Unsere Empfehlung wäre deshalb, den Direktverkauf mitzunehmen, ohne die eigenen Kanäle aufzugeben – eine zweite Verkaufsstelle, eine eigene Mailingliste, ein eigener Link. Wer nur noch einen Ort hat, an dem die Fans ihn erreichen, ist von dessen Geschäftsmodell abhängig. Das gilt für SoundCloud genauso wie für alle anderen.
Die Eckdaten
Was: Direktverkauf einzelner Tracks über das eigene Profil
Bekanntgegeben: 27. August 2026
Provision: keine – Zahlungsgebühren und Steuern fallen weiterhin an
Formate: unter anderem MP3 und WAV, Preis frei wählbar
Testphase: rund 200 Artist-Pro-Accounts in den USA mit aktiviertem Fan Support
Breiterer Start: für den Herbst angekündigt
Plattform: SoundCloud, 2007 in Berlin gegründet
Offen: ob die Provisionsfreiheit nach dem Rollout bestehen bleibt
Quellen: FAZEmag; Loop Rituals; gearnews; dazu Berichterstattung von Dataconomy, TechBriefly und We Rave You sowie Angaben von SoundCloud selbst. Zur Übernahme von Nina Protocol: TechCrunch, Resident Advisor und Music Business Worldwide (Juli 2026). Hinweis: Die Prozentangaben zu Bandcamp und Beatport stammen aus einem Branchenbericht und sind Vergleichswerte, keine offiziellen Konditionen – im Einzelfall gelten die jeweils aktuellen Bedingungen der Anbieter. Verfügbarkeit, Regionen und Gebühren können sich ändern, Angaben ohne Gewähr. Stand des Beitrags: 11. September 2026.