Smart Glasses im Club
Kamera im Gesicht: Ein Club verbannt Smart Glasses vom Dancefloor
Das BASEMENT in New York verbietet Videobrillen – getragen oder in der Tasche. Wer erwischt wird, fliegt raus und riskiert ein dauerhaftes Hausverbot. Dahinter steckt ein Problem, das jeden Floor betrifft: Man sieht der Brille nicht an, ob sie gerade aufnimmt.
Das Wichtigste vorweg
Der Techno-Club BASEMENT unter dem Knockdown Center im New Yorker Stadtteil Queens hat Ende August angekündigt, Smart Glasses vom Gelände zu verbannen. Der Club begründet das mit seiner seit der Eröffnung 2019 geltenden Regel gegen Foto- und Videoaufnahmen: Geräte, die unauffälliges Mitschneiden ermöglichen, seien damit nicht vereinbar. Neu ist die Schärfe – das Verbot gilt ausdrücklich auch für Brillen, die nur in der Tasche stecken.
Warum eine Brille anders ist als ein Handy
Ein Handyverbot richtet sich normalerweise gegen das Benutzen, nicht gegen das Mitbringen. Bei einer Kamerabrille funktioniert diese Unterscheidung nicht mehr. Wer ein Telefon hochhält, ist erkennbar. Wer eine Brille trägt, sieht aus wie jemand, der eine Brille trägt.
Technisch gibt es zwar eine kleine Leuchtdiode, die das Aufnehmen anzeigen soll. Nach übereinstimmenden Berichten lässt sie sich aber verdecken oder deaktivieren – und auf einem vollen, dunklen Floor ist ein blinkender Lichtpunkt ohnehin kaum zu erkennen. Genau deshalb greift der Club zur Holzhammer-Lösung: Wenn man die Aufnahme nicht zuverlässig erkennen kann, bleibt nur, das Gerät ganz draußen zu lassen.
BASEMENT ist nicht allein
Clubs
Das BASEMENT orientiert sich in seiner Türpolitik erklärtermaßen an europäischen Clubs. Der Schutz des Raumes vor Kameras gehört dort seit Jahren zum Selbstverständnis – das Verbot ist die Anwendung einer alten Regel auf neue Hardware.
Gastronomie
Auch außerhalb der Clubkultur wächst die Skepsis. Die britische Pub-Kette Wetherspoons mit rund 800 Filialen spricht mit Blick auf die Brillen von heimlicher Überwachung – gemeint sind sowohl Gäste als auch das Personal.
Veranstaltungen
Nach Medienberichten verlangt das Burning Man inzwischen eine ausdrückliche Zustimmung vor dem Filmen, die Sicherheitskonferenz DEFCON untersagt die Geräte generell. In Europa beschäftigen sich mehrere Datenschutzbehörden mit dem Thema.
Der Markt wächst schneller als die Regeln
Das Problem wird nicht kleiner. Nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Counterpoint Research entfielen im ersten Halbjahr 2026 rund 84 Prozent der weltweit ausgelieferten Smart Glasses auf einen einzigen Hersteller. Und der hat angekündigt, seine Brillen um Funktionen zur Gesichtserkennung zu erweitern. Eine Kamera, die nicht nur aufnimmt, sondern erkennt, wer da tanzt – das ist eine andere Größenordnung als ein verwackeltes Handyvideo.
Was das bedeutet
Ein dunkler Raum, in dem niemand filmt, ist keine Marotte. Er ist die Voraussetzung dafür, dass Leute sich bewegen, wie sie wollen, und Dinge ausprobieren, die sie nicht am nächsten Morgen auf einem fremden Account wiederfinden möchten. Das gilt besonders für alle, für die der Club ein geschützter Raum ist und nicht nur ein Abend. Wer diesen Schutz aufweicht, nimmt der Clubkultur nicht ein Feature, sondern ihre Grundlage.
Deshalb finden wir die Entscheidung richtig, auch wenn sie hart klingt. Ein Verbot, das man an der Tür nicht durchsetzen kann, wäre zwar nur eine Geste – und ehrlicherweise wird kein Türsteher jede Brille erkennen. Aber die Ansage stellt klar, woran man sich hält. Bei uns ist der Gedanke derselbe, nur an anderer Stelle: kein Tracking, keine Datensammelei, keine Konten. Privatsphäre ist nichts, was man nachrüstet. Man baut sie ein – oder eben nicht.
Die Eckdaten
Wer: BASEMENT, Techno-Club unter dem Knockdown Center in Queens, New York
Seit wann: Club eröffnet 2019, seither Regel gegen Foto- und Videoaufnahmen
Bekanntgegeben: Ende August 2026 über die sozialen Kanäle des Clubs
Was gilt: Verbot von Smart Glasses, getragen oder in der Tasche
Folge: Aufforderung zu gehen, dauerhaftes Hausverbot möglich
Begründung: Schutz von Privatsphäre, Sicherheit und Freiheit auf der Tanzfläche
Quellen: GROOVE; FAZEmag; PetaPixel; EDM.com (dort auch die Marktzahlen von Counterpoint Research); Hypebot zur Haltung von Wetherspoons. Hinweis: Die Angaben zu Burning Man, DEFCON und den europäischen Datenschutzbehörden stammen aus einem einzelnen Bericht und sind nicht unabhängig bestätigt. Journalistische Einordnung, keine Rechtsberatung. Stand des Beitrags: 11. September 2026.