Ende und Anfang in München: Das Blitz wird zum Label, das Printhouse öffnet am Samstag
Ende und Anfang in München: Das Blitz wird zum Label, das Printhouse öffnet am Samstag
Im Sommer hat das Blitz nach gut neun Jahren im Deutschen Museum geschlossen. Was bleibt, ist eine Holzbox mit 25 Tracks – und ein paar Kilometer weiter öffnet in einer alten Zeitungsdruckerei ein neuer Club. Zwei Geschichten aus einer Stadt, die mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheint.
Das Wichtigste vorweg
Das Münchner Blitz, seit April 2017 im Deutschen Museum auf der Museumsinsel, hat Anfang August seine letzte Nacht gefeiert. Jetzt startet das Team das Label BLITZ discs – mit „CHAPTER 1 CLOSED!“, einer handnummerierten Holzbox mit 25 exklusiven Tracks auf sechs 12″s, von Marcel Dettmann über Efdemin bis Seth Troxler, Veröffentlichung am 17. Dezember, kein Repress. Und am Samstag, 17. Oktober, eröffnet in Moosach das Printhouse: eine stillgelegte Zeitungsdruckerei mit neun Meter hohen Hallen, erst einmal mit einem großen Techno-Abend im Monat, ab 2027 als Kulturzentrum geplant – wenn die Genehmigung kommt.
Das Ende: Ein Club wird zur Platte
Im Februar hatte das Blitz sein Aus angekündigt – „aus Gründen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen“, mehr stand nicht im Statement. Das Abschiedswochenende lief vom 31. Juli bis zum 3. August, danach wurde der Raum laut Groove innerhalb von zwei Monaten komplett zurückgebaut: Anlage, Akustik, Einrichtung. Für die Münchner Szene war das ein Einschnitt. Das Blitz galt mit seinen rund 600 Plätzen (laut DJ Mag) als einer der profiliertesten Techno-Clubs des Landes, mit Residents wie Polygonia und einem Programm, das weit über die Stadt hinaus Gäste zog.
Jetzt kommt das zweite Kapitel, und es ist ein physisches. BLITZ discs heißt das neue Label, ein Sublabel von Childhood, dem Label von Blitz-Mitgründer David Muallem; A&R und Projektleitung teilen sich Tom Altthaler und Muallem. Die Idee ist alt: „Schon als BLITZ vor fast zehn Jahren seine Türen öffnete, gab es die Idee, neben dem Club ein Label zu gründen“, heißt es in der Pressemeldung. Sie nahm nie Gestalt an, verschwand aber auch nie – und mit dem Ende des ersten Kapitels sei jetzt der richtige Moment.
Die erste Veröffentlichung ist eine Rückschau, die sich nicht wie eine anfühlen soll: „CHAPTER 1 CLOSED!“, 25 exklusive Tracks zwischen House, Techno und Disco, eingeladen von Residents, Stammgästen und Freunden des Clubs. Sechs 12″s in einer Holzbox, gebaut aus demselben Holz wie die Anlage des Clubs; ein ausgestanztes BLITZ-Logo gibt den Blick auf grünes Vinyl frei – wie die grünen Lautsprecher, die im Club standen. Jede Box ist handnummeriert, die Auflage wird nicht genannt, ein Repress ist ausgeschlossen. „Trotz des Archivcharakters sind es Platten zum Auflegen“, schreibt das Team. Die Zenker Brothers eröffnen die Box mit „The Opening“, Gerd Janson schließt sie mit „Blitz Kidz“.
Auf der Box
Zenker Brothers · Stenny · Kareem El Morr · Rosati · Steffi x Virginia · Parallel 9 · Oracy · Niagara · Glaskin · Chlär · Rene Wise · Quelza · Polygonia · Reduks · Muallem · XDB · Bashkka · DJ Deep · Jorkes · Katia Curie & Nizar Sarakbi · limbic sis · Efdemin · Seth Troxler · Marcel Dettmann · Gerd Janson
Der Anfang: Techno in der Druckerei
Ortswechsel nach Moosach, Dessauerstraße 10, gleich beim Olympia-Einkaufszentrum. Hier stand jahrzehntelang eine Zeitungsdruckerei; jetzt heißt das Gebäude Printhouse – der Name ist eine Verbeugung vor dem Londoner Printworks, so lesen es jedenfalls Groove und MUCBOOK. Mehrere Hallen mit neun Metern Deckenhöhe und ein überdachter Ladehof; nach dem Ausbau der Rotationsmaschinen und dem Einzug einer Zwischenebene bleibt laut Loop Rituals eine Fläche von etwa der Größe eines Fußballfelds. Die Bars sind aus dem gebaut, was da war, feste Einbauten gibt es nicht.
Kurator ist Christoph Pankowski, der in München die Open-Air-Reihe Rave Autonomica verantwortete. Die Flächenentwicklung und Firmenveranstaltungen übernimmt Henrik Szilit von der Agentur set about, die künftige Gastronomie Robert Benke, bekannt vom Holzkranich. Für das Licht der Clubnächte ist das Berliner Team Bachstelzen zuständig, für den Ton laut Loop Rituals ein Incubus-System von Void. Pankowski gegenüber der Abendzeitung: „Mir ist wichtig, dass man dem Haus seine Geschichte ansieht. Wir polieren hier nichts weg.“
Nach einem Open Air im September geht es am Samstag, 17. Oktober, ab 22 Uhr richtig los: „Printhouse Edition 0001″ mit The Lady Machine und den Zenker Brothers, dazu Budino, Euphrat und Isabel Soto; Loop Rituals nennt 15 Euro an der Abendkasse. Danach soll es erst einmal einen großen Abend im Monat geben – am 14. November steht Recondite auf dem Plan. Die größere Idee kommt 2027: ein Kulturzentrum, das ganzjährig läuft, mit Konzerten, Ausstellungen, Theater und einer Gastronomie, die unabhängig vom Veranstaltungsprogramm geöffnet hat; Jazz und Oper sind im Gespräch. „Das ist der eigentliche Plan, ein Haus, das auch an einem Dienstagnachmittag einen Grund hat, offen zu sein“, sagt Pankowski. Die Genehmigung für diese dauerhafte Nutzungsänderung steht allerdings noch aus. Bis dahin läuft das Haus mit befristetem Mietvertrag und zeitlich begrenzten Genehmigungen.
Mit dem Blitz hat das Printhouse übrigens nichts zu tun – keine gemeinsamen Betreiber, keine Nachfolge. Die Verbindung ist eine andere: die Stadt, der Moment und die Zenker Brothers, die am Samstag in Moosach auflegen und auf der Blitz-Box den ersten Track liefern.
Was das bedeutet
Clubs enden. Meistens bleibt davon wenig – ein paar Fotos, ein Instagram-Account, der irgendwann aufhört zu posten. Das Blitz-Team macht es anders: Es presst, was zwischen diesen Wänden passiert ist, in 25 Stücke und eine Holzbox, die man anfassen kann. Handnummeriert, ohne Repress. Das ist genau das, was wir unter einem Archiv besonderer Momente verstehen – kein Streaming-Ordner, sondern ein Gegenstand, der die Geschichte mitträgt.
Und ein paar Kilometer weiter beginnt das Spiel von vorn: eine Industriehalle, ein Team, das die Geschichte des Hauses nicht wegpolieren will, und ein Plan, der größer ist als Partys. Dass der Plan an einer Genehmigung hängt, gehört ehrlicherweise dazu – befristete Verträge und vorläufige Erlaubnisse sind in der Clubkultur eher Regel als Ausnahme. Wir drücken die Daumen und schauen hin.
BLITZ discs
Release: „CHAPTER 1 CLOSED!“ (CHBDX001)
Format: 6 × 12″ in Holzbox, dazu digital
Inhalt: 25 exklusive Tracks · House, Techno, Disco
Auflage: streng limitiert, handnummeriert, kein Repress
Veröffentlichung: 17. Dezember 2026
Label: BLITZ discs, Sublabel von Childhood (David Muallem)
Vorbestellung: über Bandcamp · blitz.club
Printhouse München
Wo: Dessauerstraße 10, München-Moosach
Was: stillgelegte Zeitungsdruckerei, Hallen mit 9 m Deckenhöhe
Eröffnung: Samstag, 17. Oktober 2026, ab 22 Uhr – „Printhouse Edition 0001″
Line-up: The Lady Machine, Zenker Brothers, Budino, Euphrat, Isabel Soto
Rhythmus: zunächst ein großer Abend im Monat, 14. November mit Recondite
Plan 2027: ganzjähriges Kulturzentrum – Genehmigung steht noch aus
Team: Christoph Pankowski (Programm), Henrik Szilit (set about), Robert Benke (Gastronomie), Bachstelzen (Licht)
Quellen: Groove zum Blitz-Label (12. Oktober 2026, mit Zitaten aus der Pressemeldung); blitz.club und Bandcamp (Tracklist, Veröffentlichungstermin); DJ Mag zur Schließung (18. Februar 2026); Groove zum Printhouse (12. Oktober 2026); Abendzeitung München (11. Oktober 2026); Loop Rituals (13. Oktober 2026); MUCBOOK. Angaben zu Terminen, Eintritt und Genehmigungen ohne Gewähr – Stand des Beitrags: 15. Oktober 2026.