Vinyl 2025: mehr Umsatz, weniger Platten — was hinter den Zahlen steckt
Vinyl 2025: mehr Umsatz, weniger Platten — was hinter den Zahlen steckt
Deutschland, Jahresbilanz 2025. Der Bundesverband Musikindustrie weist für Vinyl einen Umsatz von 152 Millionen Euro aus, ein Plus von 2,8 Prozent. Gleichzeitig wurden rund 100.000 Platten weniger verkauft als im Vorjahr. Beides zusammen ergibt ein ehrlicheres Bild als die üblichen Boom-Schlagzeilen.
Das Wichtigste vorweg
Vinyl ist 2025 der stabile Teil eines schrumpfenden physischen Marktes — aber es wächst beim Geld, nicht bei der Menge. Der Umsatz stieg um 2,8 Prozent auf 152 Millionen Euro, der Absatz ging um 2,4 Prozent zurück. Der gesamte physische Markt gab um 5,9 Prozent nach und erlöste noch 345 Millionen Euro. Die CD bleibt trotz eines Rückgangs von 11,3 Prozent umsatzstärker als die Schallplatte.
Die Zahlen
Umsatz
Vinyl: 152 Millionen Euro, plus 2,8 Prozent gegenüber 2024. Damit hält die Schallplatte 44,2 Prozent des physischen Marktes — und liegt am Gesamtmarkt bei 6,3 Prozent. Die CD kam auf 178 Millionen Euro und 7,2 Prozent Anteil am Gesamtumsatz, bleibt also weiter das zweitstärkste Segment vor Vinyl.
Absatz
2024 wurden 4,6 Millionen Schallplatten verkauft, 2025 waren es 100.000 weniger — ein Minus von 2,4 Prozent. Der Verband bezeichnet den Vinyl-Absatz damit als annähernd konstant. Über alle physischen Tonträger hinweg gingen 2025 noch etwa 15,5 Millionen Einheiten über die Ladentheke, 11,9 Prozent weniger als im Vorjahr.
Was dahintersteckt
Steigender Umsatz bei leicht sinkender Stückzahl bedeutet rechnerisch: Das Wachstum kommt nicht über die Menge, sondern über den Preis pro Platte. Das ist eine Ableitung aus den veröffentlichten Zahlen, keine Aussage des Verbandes — die Gründe dafür, etwa gestiegene Pressungs- und Materialkosten oder ein höherer Anteil aufwendiger Sonderausgaben, weist die Statistik nicht aus.
Der zweite Punkt ist der Kontext. Vinyl steht nicht deshalb gut da, weil es explodiert, sondern weil um es herum alles wegbricht. Der physische Markt hat sich bei den Stückzahlen binnen fünf Jahren halbiert: 2021 waren es noch 31,2 Millionen Einheiten. Die CD lag vor zehn Jahren bei 860 Millionen Euro Umsatz und liegt heute bei 178 Millionen. In diesem Umfeld ist ein kleines Plus schon eine Menge.
Und die Kassette?
Kurz, weil die Frage regelmäßig kommt: Ein Comeback der MC lässt sich in den Daten nicht erkennen. Die Kategorie der sonstigen physischen Formate — darunter Singles, DVDs, Blu-ray und eben Musikkassetten — sank 2025 auf 400.000 Einheiten, ein Minus von 24,8 Prozent. Der Verband ordnet die MC als Subkulturformat ein, das vor allem im Lo-Fi- und DIY-Bereich vorkommt. Sichtbarkeit ist eben nicht dasselbe wie Absatz.
Was das bedeutet
Für alle, die auflegen und sammeln, ist die Botschaft gemischt. Die Schallplatte ist keine Nische, die gerade verschwindet — sie hält sich, und das Geschäft ist stabil genug, dass Pressungen weiter Sinn ergeben. Gleichzeitig heißt teurer werdendes Vinyl bei stagnierender Menge: Der Kreis derer, die es sich regelmäßig leisten, wächst nicht mit.
Ehrlich bleiben muss man auch bei dem, was die Zahlen nicht hergeben. Der BVMI schlüsselt nicht nach Genres auf. Wie es Techno, House und Deep House speziell geht, ob 12-Inches oder Alben, lässt sich aus dieser Statistik nicht ablesen. Wer daraus eine Aussage über die Clubszene bastelt, geht über die Daten hinaus.
Die Eckdaten 2025
Vinyl-Umsatz: 152 Millionen Euro (+2,8 %)
Vinyl-Absatz: rund 100.000 Platten weniger als 2024 (−2,4 %; 2024: 4,6 Millionen Stück)
Anteil am physischen Markt: 44,2 Prozent
Anteil am Gesamtmarkt: 6,3 Prozent
CD: 178 Millionen Euro, 7,2 Prozent Anteil am Gesamtumsatz (−11,3 %)
Physischer Markt gesamt: 345 Millionen Euro (−5,9 %), rund 15,5 Millionen Einheiten (−11,9 %)
Gesamtmarkt: 2,42 Milliarden Euro Handelsumsatz (+2,3 %), davon 85,8 Prozent digital
Quelle der Zahlen: Bundesverband Musikindustrie
Quellen: BVMI, „Musikindustrie in Zahlen 2025″; BVMI-Pressemitteilung vom 26. Februar 2026; Berichterstattung von miz.org, CE-Markt und radioszene. Hinweis: Der BVMI weist Handelsumsatz und Industrieeinnahmen getrennt aus und stellt Vorjahreswerte teils neu dar — Zahlen aus verschiedenen Berichten und Datenbanken sind deshalb nicht immer direkt vergleichbar. Die Aussage zum Preiseffekt ist eine Ableitung der Redaktion aus den veröffentlichten Zahlen. Stand des Beitrags: 6. August 2026.